Die Strickgemeinschaft ist rassistisch

Zitat: „The Knitting community is racist“ [Ysolda Teague, Istagram 13. Januar 2019]

Rassismus in unserer Strickgemeinschaft ist kein neues Thema, doch es erfährt zur Zeit große Aufmerksamkeit. Ich möchte in diesem Beitrag zusammenfassen was in der vergangen Woche passiert ist, eine kurze Übersicht zu den immer wieder zitierten Veröffentlichungen geben und meine Gedanken teilen zum Thema: Was und wie können wir/ kann ich es besser machen.

Wenn du die Bequemlichkeit des Nicht-Wissens und Weg-Sehens bevorzugst und du dich und dein Handeln in dieser Gemeinschaft nicht hintfragen möchtest, lies bitte nicht weiter und spar dir die Mühe zu kommentieren.

Was war geschehen

Ausgangspunkt war ein Blogbeitrag der die Gedanken einer weißen Frau über eine anstehende Reise nach Indien beschreibt. Der Beitrag erhielt viele positive Kommentare, die ihn als inspirierend  und „Best Post ever“ beschreiben, auch von einer indischen Leserin. Erst weiter unten bittet ein Leser die Autorin ihren Beitrag zu überdenken und unter den Gesichtspunkten Imperialismus und Kolonialismus zu betrachten. Mehrere Aussagen in dem Artikel wurden von nicht weißen Menschen (POC – People of Color) als verletztend, herabwürdigend und rassistisch empfunden.

Unabhängig von den geschriebenen Worten steht der Artikel symptomatisch für eine ignorante oder unachtsame Grundhaltung, die uns Weißen inne ist. Deren wir uns oft nicht bewusst sind, in unserem ach so liberalen Einstellungen. Es geht um Alltagsrassismus, der im Grundrauschen unser vollen Instagramm Feeds untergeht. Es sind Blogbeiträge die wir schreiben oder kommentieren ohne zweimal darüber nachzudenken. Es ist das Schweigen und Wegsehen.

Viel zitiert zu diesem Thema  sind z.B. die Beiträge von:

Sie stellen unangenehme Fragen. Sie legen den Finger in die Wunde. Sie machen offenen und versteckten Rassismus in der Strickgemeinschaft sichtbar.

Alltagsrassismus in unserer Strickgemeinschaft

Neeeein so etwas gibt es bei uns nicht . . . oder doch? Su.krita hat in ihrer Instagram Story die Frage an POC gestellt, welche rassistischen Erfahrungen sie in unserer Gemeinschaft gemacht haben. Hier sind nur einige wenige Antworten:

  • ignoriert werden im Wolladen, während weiße bedient werden,
  • verfolgt werden im Wolladen, aus Angst sie stehlen etwas,
  • erst bedient werden, wenn der weiße Ehemann/die weiße Ehefrau/die weiße Freundin dabei ist,
  • verwechselt oder gar nicht erkannt werden, obwohl sie schon oft im Laden waren,
  • nur auf die billigen Garne hingewiesen werden oder gefragt werden ob man sich die Wolle überhaupt leisten kann,
  • Ansatt zu fragen: „Was möchtest du stricken? “ ist die erste Frage immer „Woher kommst du?“
  • usw.

Und nun?

Das mindeste was wir tun können

Und wie geht es dir gerade? Betroffen? Verärgert? Defensiv? Offen?

Ich habe alle Stadien durchgemacht, dann durchgeatmet, dann nachgedacht und reflektiert.

Wem folge ich? Für wen schreibe ich? Bin ich mir des Problems bewusst? Warum war es mir vorher nicht bewusst? Was kann ich besser machen? Was verdammt nochmal kann ich dazubeitragen dass es besser wird?

Das wenigste was ich tun kann / wir tun können:

Was wir darüber hinaus tun können

Vom 19.-20. Oktober findet in der Kongresshall am Zoo in Leipzig das 11. deutsche Ravelry treffen statt.

No Racism in our knitting community

Weil diese Gemeinschaft soviel besser ist. Weil es nicht egal ist. Weil es dich auch treffen kann, denn es hört bei der Hautfarbe nicht auf. Das Treffen ist der Ort wo wir als Strickgemeinschaft ein öffenliches Zeichen setzten können.

Was wirst du tun?

Mein Berliner Drachenfels

An Heiligabend habe ich bei Kerzenschein und „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ meinen Drachenfels von Melanie Berg abgekettet. Das Ergebniss hat mich sehr glücklich gemacht aus zweierlei Gründen:

1. Berlin – obwohl ich da schon sehr lange nicht mehr wohne und darüber auch sehr froh bin, spielte die Hauptstadt in 2018 eine ziemlich große Rolle in meinem Leben. Zum einen da ich dort im Frühjahr meinen SAP Beraterkurs abgeschlossen habe und zum anderen weil mich im Sommer meine erste Dienstreise dort hingeführt hat. Und immer wenn ich in Berlin bin, besuche ich Wollen Berlin. Als Belohnung für meine bestandene Prüfung hat mir mein Vater ein paar Knäule spendiert. Wir müssen ein sehr lustiges Paar abgegeben haben. Papa war ein gut gelaunter, frischer Rentner und ich frisch gebackene Beraterin. Das Leben kann so schön sein!

2. Drachen(fels) – wir alle haben Drachen in unserem Leben. Vielleicht nennst du sie lieber Schließerweib, Nemisis oder Hexe. Egal welchen Namen die Person trägt:

  •  sie raubt Kraft,
  • lässt ihren Unmut an dir und anderen aus,
  • und man muss Opfer bringen um das Ungetüm zu besämfitgen.

Ich wollte für meinen Drachen nicht mehr das Opfer sein und mich auch nicht verstecken vor ihm. Ich habe mich befreit. Das fiel auch genau in die Zeit, wo ich mit dem Tuch begann. Ganz kurz überlegte ich, ob ich dem Drachen das Tuch schenken sollte. Doch ich entschied mich es dann lieber als Zeichen meines persönlichen Triumphes selber zu tragen.

Technische Detail zu dem Tuch findest du auf meiner Ravelry Projektseite.

Wie hast du deinen Drachen besiegt und welches Tuch würdest du als Trophäe wählen? Ich wüsche dir auf jeden Fall viel Kraft, Mut, Freude und Inspiration für 2019.

Spinnen mit Gotlandwolle

Momentan über ich noch einen gleichmäßigen, dünnen Faden mit der Handspindel zu spinnen. Dass man aus den Übungsergbenissen noch keine Pullover stricken kann, war mir schnell klar. Für gestrickte Tiere ist das  Garn jedoch sehr gut zu gebrauchen. Zum Glück brauchen wir  für den jährlichen Herbsbasar der lokalen Waldofschule für den Stand unseres Kindergartens immer eine ganze Herde an Schafen, Eseln und Pferden.

Also bestellte ich mir, nach meinen ersten Spinnversuchen mit Bergschafwolle, 100g Wolle vom Gotlandschaf im Kammzug. Oh was für ein Unterschied.

Gotlandwolle im Kammzug
Gotlandwolle im Kammzug

Die Fasern sind extrem glatt und ich musste  viel Drall aufbringen um einen festen Faden zu spinnen. Die Faserlänge wird von dem Versandhändler mit 80 bis 150 mm Länge angegeben. Die Fasern in meinem Kammzug liegen auf jeden Fall am oberen Ende dieser Angabe.

Die Fasern lassen sich leicht aus dem Kammzug ausziehen und ließen sich leicht zu einem dünnen Faden verspinnen, wenn die Spindel genung Schwung hatte. Ich bin gespannt ob es einen Unterschied gibt, wenn ich diese Wolle aus einem Kardenband heraus verspinne.

Gotlandwolle gesponnen und verzwirnt
Gotlandwolle gesponnen und zweifädig verzwirnt

Das werden sicher schöne Eselchen.

Überrascht war ich aber auch darüber, wie wenige gut aufbreitete Informationen ich über die Verabeitung von Gotlandwolle fand. Am hilfreichsten war für mich am ehesten die Seite der British Gotland Sheep Society.

Jetzt spinnt sie auch noch!

Mich hat die Spindel eher unerwartet und zufällig gefunden. Denn eigentlich hatte ich nicht die Absicht, neben dem Stricken und Häkeln, auch noch mit dem Spinnen anzufangen.

Doch im vergangenen Herbst begann die Gemeinde, wo ich regelmäßig einen Stricktreff besuche, Leineschafe für die Rasenpflege des Pfarrgarten zu halten. Der Schäfer bot uns sogleich das Vlies an.

Wie genial, dachte ich, gestrickte Schäfchen aus „Wolle von der Scholle“ für den Verkauf zum Wohle des lokalen Waldorfkindergartens. Es sollte aber noch ein halbes Jahr dauern, bis wir alle Informationen zur Wollverarbeitung zusammen hatten. Schnell war klar -für die kleinen Mengen die wir brauchen, rechnet es sich nicht das Vlies an eine Fastermühle zu schicken. Hochgerechnet hätten wir für 5kg Rohwolle rund 500€ investieren müssen um es waschen, kadieren und verspinnen zu lassen.

Also besuchte ich auf dem diesjährigen Leipziger Wolle-Fest einen Spinnkurs – und bin sofort süchtig geworden.

Zunächst übte ich fleißig das ausziehen der Fasern mit einem Stöckchen. Als dann ein einigermaßen gleichmäßiges und dünns Garn entstand, war ich mutig genug mir eine Spindel zu bestellen. Ich habe mich für das Handspindel-Starter-Set von DAS WOLLSCHAF entschieden. Der Umstieg vom Stöckchen auf die Spindel bedurfte etwas Übung. Vor allem die älternen Videos von Chantimanou haben mir da sehr weitergeholfen.

verzwirntes Garn
Mit dem Stöckchen versponnen und aus dem Knäul mit sich selbstverzwirnt

Mittlerweile sind die Schafe an die Parthe umgezogen und die Herde ist auf über 12 Mutterschafe angewachsen. Von Hammel Paulchen haben wir etwas Vlies bekommen, das wir sobald es wärmer wird waschen, zupfen und kadieren wollen. Ich freue mich darauf diese Wolle zu verspinnen.

Berlin Knits 2017 versus Leipziger Wolle-Fest & Stoffmesse 2018

Schön waren beide Events, jedes auf seine Weise. Dennoch habe ich einen Favoriten. Warum und wieso könnt ihr auf den in den folgenden Zeilen nachlesen.

 

Berlin Knits – Yarn Festival 2017

Am 30. September bin ich mit zwei Strick-Freundinnen in die Hauptstadt gefahren. Es war ein wunderbarer sonniger Herbstag und das trug sicher zur guten Laune bei. Die Zugfahrt war entspannt und wir haben den Weg vom Berliner Hauptbahnhof zum Phorms Campus Berlin gleich gefunden.

Es war kurz nach 10 Uhr und es standen schon einige an, also sind wir erstmal Bargeld holen gegangen. Als wir zurückkamen mussten wir nicht mehr anstehen und bekamen sogar einen Besucher-Button und eine Tasche mit einer Zeitschrift. Es war eng und es füllte sich zusehens aber es war eine gute Stimmung. Im Hof waren Bänke aufgestellt. Dort gab es bereits die ersten spontanen und auch lange geplanten Stricktreffen. Auch oben im zweiten Verkaufsraum gab es Bänke und Tische, wo man gleich gekaufte Wolle ausprobieren, sich austauschen oder einfach in einem Magazin blättern konnte. Einfach toll.

Ich bekam Schnapp-Atmung als ich das erst LAINE MAGAZINE in den Händen hielt. Und dann sah ich auch noch ein Exploration Station Tuch in grün. So viele tolle Sachen gab es, die ich sonst nur im Internet sehe. Verstrickte Kunst war da und Tre Liz . Ich könnte ewig so weiter aufzählen. Es war eine positive Reizüberflutung.

Obwohl es voll und auch eng war, kam man über all gut ran oder man musste halt artig warten. Das ging aber. Und verpflegt wurde man mit frisch Gekochtem auch sehr gut.

Ein bisschen aufgestoßen sind mir die Preise für die Workshops – 89€ pro Nase für 3 Stunden.

Mein Budget habe ich voll ausgeschöpft und bin dann nach einem frühen Abendessen in dem Lokal Ständige Vertretung mit meinen Freundinnen glücklich  in den Zug nach Leipzig gestiegen.

Berlin Knits 2017 Ausbeute
Meine Ausbeute von Berlin Knits 2017: Laine Magazine No2, Donegal Tweed von Magazine Duett, Strickpackung von Verstrickte Kunst und eine Postkarte von Strickimicki die mir in diesem Moment aus dem Herzen sprach.

Fazit: ein toller Tag, mit tollen Menschen und tollen Ausstellern an einem tollen Ort. Fehlte etwas –  ja irgendwie schon. Ich habe zwar Lopi Garne gesehen (und fast gekauft) aber leider keine Garne aus Norwegen oder Shetland. An sich findet man auf den Wollfesten viel buntes, handgefärbtes aber leider wenig ganz einfach Wollgarne in vielen Unifarben.

 

11. Leipziger Wolle-Fest und Stoffmesse 2018

Oh ich habe mich so auf meinen freien Samstag auf dem Wolle-Fest in der Glashalle der Neuen Messe Leipzig gefreut. Warm eingepackt in meine Selbumittens (von Skeindeer) und mit einer  Wollmütze auf dem Kopf fuhr ich mit der S-Bahn die eine Station bis zur Messe. Dort begrüßte mich eine laaaaange Schlange bis zum Teich. Gut was soll es, dachte ich mir und stellte mich an. Es ging vorwärts und ich kam schnell mit andern ins Gespräch. Bloß gut, war ich warm angezogen.

Die Veranstalter hatten nur drei Kassen gebucht und scheinbar nicht damit gerechnet, dass alle von fern und nah gerade um 11 Uhr hinein wollten. Leider kam dann jemand auf die glorreiche Idee eine weitere Tür zu öffnen, aber keine weitere Kasse. Da verloren die so artig anstehenden Strickerinnen und Schneiderinnen doch ihren Anstand und stürmten in die Halle. Nach dem Chaos folgte das Anstehen – jetzt jedoch im Warmen. Nach 40 Minuten hatte ich es geschafft, dank einer Freundin, die weiter vorn in der Schlange stand.

Leipziger Wolle-Fest 2018
Leipziger Wolle-Fest & Stoffmesse 2018 Blick von der Galerie auf die Aussteller in der Glashalle

Dieses Jahr waren noch mehr Aussteller da als vor zwei Jahren. Unter anderem auch dibadu und Filzrausch. Ganz neu entdeckt habe ich für mich Inclusio, eine Inklusionsfirma aus Weimar. Dort habe ich dann auch als einziges Wolle gekauft. Ansonsten gab es neben den wunderschönen handgefärbten Strängen, viele Verlaufsgarne. Aber auch hier waren erschwingliche Wollgarne in Unifarben selten.

Für 15€ die Stunde habe ich zusammen mit einer Freundin einen Spinnkurs am Rad gebucht. Es ging einiges schief – auch mit der Technik – aber am Ende hatte ich ein kleines Knäul vorzeigbarer Wolle gesponnen. Und ich habe Blut geleckt. Hätte nie gedacht das mir Spinnen Spaß macht.

Erste Spinnerfolge
Oben rechts – das erste Mal mit einem Stöckchen gesponnen, unten links mit dem Rad entstand ein richtiger Faden und unten rechts Sonntags darauf mit dem Stöckchen gesponnen

Fazit:

  1. Nächstes Jahr die Eintrittskarte im Vorverkauf holen, wenn ich wieder Samstag vormittags gehen will.
  2. Es gibt in der Messe leider keine richtige Ecke um sich zu treffen und auszutauschen.
  3. Auch hier fehlen mir erschwingliche Wollgarne – muss ich wohl am Ende selber verkaufen?! Hmmmmm . . .

 

Und insgesamt, wo gefiel es mir am besten?

Berlin! Ganz klar. Das hätte ich aber vor ein paar Jahren noch anders gesehen. Früher war das Leipziger Wolle-Fest wirklich noch ein Fest. In einem Hinterhof und später im Park von Markkleeberg traf man sich mit Kaffee und Kuche und Kind und Kegel und Schafen und Alpakas und natürlich mit Stricknadeln und Garn. Es gab eine Modenschau und viel Platz für Austausch. Das Wetter machte dem leider öfter einen Strich durch die Rechnung und so wagten die Veranstalter den Umzug in die Glashalle der Neuen Messe. Der komerzielle Erfolgt gibt ihnen recht. Das Wolle-Fest ist extrem gewachsen. Aber die Workshops finden in einem dunklen Seitenzimmer statt, es gibt keine Modeschauen mehr und keinen gemütlichen Platz zum Pause machen und Stricken. Das kann Berlin Knits eindeutig besser. Man könnte sich ein Beispiel am Edinburgh Yarn Festival nehmen. Dort gibt es eine Podcaster Lounge mit gemütlichen Sofas. Es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele talentierte StrickerInnen, HäklerInn und SchneiderInnen die ihr Tuen in Blogs und Vlogs veröffentlichen. Wäre es nicht schön Leipzig auch zu einem Ort des Austausches und Treffens zu machen und nicht nur kaufen, kaufen, kaufen? Ich weiß, viele müssen von dem Verkauf bei solchen Messen leben. Aber wer gut Laune hat, wem die Garne vorgestellt werden mit Modellen, der kauft auch mehr.

Fruity Knitting Podcast von Andrea und Andrew das erste videobasierende Strickmagazin

Wenn du schon lange auf der Suche nach einem Strickmagazin bist, das unterhaltsam, lehrreich und persönlich ist, dann lege ich dir den folgenden Tipp ans Herz: der (Video-)Podcast Fruity Knitting von Andrea und Andrew auf YouTube.

Noch nie von Knitting Podcasts gehört? Nun das ist ein Format, das mittlerweile fast inflationär auf Youtube auftaucht. Das Grundkonzept ist meist dasselbe: StrickerInnen oder HäcklerInnen informieren den geneigeten Zuschauer darüber woran sie gerade arbeiten, was sie fertiggestellt haben, woran sie bald arbeiten wollen und welche Wolle sie neu gekauft haben.

Unter den Knitting Podcasts ist Fruity Knitting ein echtes Juwel. Das liegt zum einen an der Qualität der Videos und zum anderen am Inhalt. Mit viel Liebe und Neugier sind Andrea und Andrew mit ihrem Kanal einen Schritt weitergegangen und haben so das erste und bisher einzige* videobasierende Strickmagazin geschaffen. (*so weit mir bekannt ist)

Aber mal im Detail, was macht den Fruity Knitting Podcast so besonders? Da ist zum Beispiel die sehr unterhaltsame Rollenaufteilung zwischen Strick-Altmeisterin Andrea, die wunderbare Fair Isle Projekte hervorzaubert auf der einen Seite und dem gelehrigen Strick-Praktikant Andrew, der gerade erst mit dem Stricken begonnen hat auf der anderen Seite. Es ist also für jeden etwas dabei.  Dem Zuschauer fällt es leicht sich mit den beiden zu identifizieren. Gelegentlich taucht auch Tochter Madeleine in den Videos auf. Sie komplettiert den Podcast mit eigenen Projekten oder indem sie fertigen Strickstücke präsentiert.

Andreas Version von Amelia by Alex Pengelly  präsentiert von Tochter Madeleine in Snowdonia in Wales

Doch es wird nicht nur über die eigenen Projekte gesprochen, sondern auch verschiedene StrickerInnen aus der ganzen Welt vorgestellt, neue Publikationen von anderen Designer gezeigt und Interviews mit Schafzüchtern, Designern oder gar Physiotherapeuten geführt.

Und genau das ist es was Fruity Knitting so besonderes macht. Es feiert jeden einzelnen der gerne strickt und Wolle liebt. Jedes Video bringt einen Mehrwert für den Zuschauer.

Lerne Andrea und Andrew kennen via YouTube, RavelryHomepage oder Instagram!

Die Erlaubnis für die Nutzung der Bilder wurde eingeholt| Quelle Bilder: ©fruity Kitting

Ein Schloß in Smaragd für Prinz Adrian von Braunschweig

Wunderbar, auch dieses Projekt ist fertig. Und das ganz unverhofft. Ein kleines Nachtgespenst hat mich gestern Nacht wach gehalten und da ich eh munter war konnte ich auch die Bauarbeiten an diesem verzaubertem Schloss beenden. Ich hoffe der kleine Prinz freut sich.

Die Anleitung ist von NICKY EPSTEIN und heißt ENCHANTED CASTLE. Sie kostet ca. 10 Euro. Damit sich diese Investition lohnt werde ich die Decke noch öfter stricken. Beim nächsten Mal aber auf jeden Fall in einem Wollgarn.

Details zum Projekt wie immer auf ravelry.

Und wieder einen Punkt auf meiner Strickliste 2017 abgearbeitet!

Zehn Gründe warum ich gerne stricke

Es gibt viele gute Argumente mit dem Stricken zu beginnen. Hier sind meine 10 Gründe warum ich so gerne stricke. Die Aufzählung ist in keiner  bestimmten Reihnfolge.

 

  1. Stricken ist Unendlichkeit

Allein die Anordung von linken und rechten Maschen in strukturierte Muster oder gar Bilder birgt unendlich viele Möglichkeiten. Diese potentzieren sich wenn Umschläge, Zunahmen und Abnahmen hinzukommen. Doch damit nicht genug, denn die Muster und Strukturen können in alle möglichen geomertischen und freien Formen integriert werden. Plötzlich ist ein Pullover, eine Socke oder doch eine Plüschtier entstanden. Ein Kunstwerk – Unendlichkeit

2. Stricken ist ein guter Reisebegleiter

Stricken ist ein Hobby das in die Handtasche passt und im Bus oder auf dem Beifahrersitz im Auto oder in der Bahn schnell hervorgeholt werden kann. Ich mache das ständig, leider habe ich so schon mal eine Nadel verloren.

3. Stricken ist sinnvoll

Wärme ist ein körperliches Grundbedürfnis. Wenn ich mir einen Pullover stricke, dann erfülle ich dieses Bedürfnis eigenständig. Ich bin unabhängiger bei der Wahl meiner Kleidung und ich entscheide welchen Schnitt, welche Farbe und welches Material ich möchte. Außerdem kann ich  kontrollieren, dass die Sachen unter ethisch korrekten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden :-p.

4. Stricken ist bezahlbar

Ein paar Nadeln, Wolle -fertig. Alle weiteren Werkzeuge erleichtern die Arbeit, können aber leicht duch Haushaltsgegenstände ersetzt werden: z.B. Büroklammern als Maschenmarkierer.

5. Stricken ist generationsübergreifend und genderneutral

Jeder kann für jeden stricken.

6. Stricken ist Gemeinschaft

Die Sozialenmedien machen es uns einfach mit Strickern und Strickerinnen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Gemeinsam stricken wir virtuell oder in lokalen Strick-Cafés. Ich schätze diese Gemeinschaft sehr und kann auf schöne Freundschaften blicken, die sich daraus entwickelt haben.

7. Stricken ist gesund

Stricken wirkt entspannend für den Geist. Das merke ich selber sehr oft, es ist wie meditieren. Es trainiert aber auch unsere Gehirnzellen. Nachlesbar z.B. hier:

Beitrag von LEXITV (MDR)

THERAPEUTIC KNITTING SINCE (englisch)

Studie: Stricken als Verjüngungskur

8. Stricken – ein individuelles Geschenk für jeden

Mir passiert es oft, dass ich einen Schal oder ein Garn sehe und mir sofort jemand einfällt, der sich darüber freuen würde. Und außerdem:

“One can never have enough [hand knitted] socks

Albus Dumbledore

9. Stricken ist Herausforderung

Als Ingenieurin habe ich von Berufs wegen  Spaß am Denken. Die Mathematik ist mein Werkzeug. Wie schön, dass ich es auch beim Stricken oft einsetzen kann. Und ich mag die Herausforderungen eine Pulloveranleitung meiner Maschenprobe anzupassen oder gar eigene Anleitungen zu entwerfen. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich mal meine eigene Strick-App . . .

10. Stricken ist Zeit für mich

Ich bin die einzige die in meiner engeren Familie strickt. Keiner kann mitreden oder mitmachen. Wenn ich mich zum Stricken hinsetze, dann ist das Zeit für mich. Ich tue dann nichts anderes, meine Hände sind voll und mein Geist beschäftig bzw. in einem meditativen Zustand. RUHE BITTE – NICHT STÖREN –  Mami hat Pause.

 

BONUS:

11. Stricken ist Vergebung und Demut

Jeder von uns hat inner Werte nach denen wir unser Leben ausrichen, auch unbewusst. Eines meiner Credos: Aus Fehlern lernt man und viele Fehler kann man auch wieder gutmachen.

Stricken ist genau das. Verlorene Maschen können gefangen werden. Verzählt?! Eine heimliche Zunahme aus dem Querfaden, fällt oft fast gar nicht auf. Dranstricken, Maschenstich und Rettungsfaden sind weitere Zaubwörter. Und wenn alles nichts hilft: Alles zurück auf Los – auftrennen und noch mal neu. Ja das ist wahre Demut.

Und warum strickst du so gerne?

2017 wird mein Strickjahr – ausmisten, fertigstellen und was ich mir sonst noch so vorgenommen habe

Ich brauche Ziele. Sie geben mir eine Richtung und erleichtern die Entscheidungsfindung. Und außerdem schaffe ich dann auch viel mehr. Hier sind nun also meine 5 Strickziele für 2017. Denn es ist doch egal ob es der 1. Januar oder der 30. Juni ist, Ziele kann man sich immer stecken.

1. Mindestens 2 kg Wolle abbauen

Ich habe eine Wollkiste, die mein Liebster für mich gebaut hat. Sie ist  das Zuhause von all meinen Projekten, die sich gerade im Winterschlaf befinden. Außerdem beherbergt sie auch alle Wollreste und Wollimpulskäufe, die ich über die Jahre akkumuliert habe. Ich kann die Kiste bald nicht mehr schließen. Deswegen habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen mindestens 2 kg des Inhalts abzubauen.

Angefangen habe ich schon, indem ich fast 600g Sockenwolle verschenkte. Das fühlte sich gut an. Vielleicht macht jetzt jemand anderes etwas schönes daraus. Es war zu einem großen Teil Wolle, die ich geschenkt bekommen hatte und wo die Farbe mich einfach nicht zum Stricken einlud. Ein anderer Teil war Wolle von minderer Qualität. Also kein Trennungsschmerz.

Ich plane:

  • eine Rester-Decke aus der übrigen Sockenwolle
  • Eine Wimpelkette aus Baumwollgarnresten
  • ein paar Puppensachen
  • Babyschuhe
  • Pferdeleinen zum Spielen und vielleicht noch eine
  • Decke aus altem Acrylgarn

anzufertigen und so mein Ziel zu erreichen. Ich bin mir noch unsicher darüber, was ich mit meinem Bestand an Kuschel-Fussel-Wolle machen soll. Ideen?

2. Eine Pullover für mich stricken (EgoKnit)

Oh das nehme ich mir schon so lange vor und dann mache ich doch wieder nur Projekte für andere. Aber mal ganz ehrlich: Wer schätzt denn die Arbeit und kleinen Besonderheiten eines selbst gestrickten Kleidungsstücks am meisten? Also, ein Hoch auf die EgoKnits. Beginnen werde ich aber erst wenn alle angefangen Projekte beendet sind. Und damit komme ich schon zu meinem dritten Ziel.

3. Alle drei angefangenen Decken fertigstellen

Ich hatte drei Decken in der Mache. Die Schäfchendecke habe ich bereits im Juni fertiggestellt, das kannst du hier nachlesen.

Aktuell arbeite ich an  Nicky Epsteins Enchanted Castle in Schachenmayr Bravo Mezzo. Es wird sicher bald fertig sein, denn es ist so ein einfaches Projekt mit nur linken und rechten Maschen.

Die dritte Decke ist ein Desgin von Vanna White. Seit 2009 hatte ich schon mehrere Anläufe für dieses Projekt gestartet. Es wird einfach Zeit.

4. Zweifarbig stricken lernen

Ja, das scheint ja in diesem Jahr ein kleiner Trend im Strickuniversum zu sein. Mich haben dazu die Video Potcasts von Fruity Knitting und Skeindeer insperiert. Ich möchte gern ein Paar Selbu Mittens für mich stricken.

5. Einen Strickblog starten

Check! Schon erledigt.

Ich habe eine Herde Schafe versteigert

Als der Termin für die Hochzeit meiner Schwester feststand, wußte ich sofort, dass ich ein Decke häkeln werde um sie auf der Feier zu versteigern. Das Thema der Decke war schnell gefunden: SCHAFE.

Schafe auf einer Weide im Vogtland. Wir waren genauso überrascht sie zu sehen, wie sie uns.

Die weltweit tätige Nachrichtenargentur AFP berichtete nämlich im Mai 2015, dass ein kenianischer Anwalt Barack Obama als Brauwerbung für seine Tochter Malia 50 Kühe, 70 Schafe und 30 Ziegen geboten hat. Und da dachte ich: Na lieber Schwager, wieviele Schafe ist dir meine Schwester wert?

Nun ihr Verkehrswert beträgt 154 Schafe. Das habe ich zumindest beschlossen als ich Veronika Hugs Schäfchen Grannys auf youtube fand. Ich entwarf eine Decke mit 11 x 14 Quadraten. Ein schwarzes Schaf und ein Lamm sollten dabei sein, der Rest sollte woll- oder reinweißes Fell haben. Da ich die Kosten für dieses große Projekt überschaubar halten wollte, wählte ich das Acrylgarn Bravo Mezzo von Schachenmayr.

Das Lamm habe ich aus Wuschelwollresten gehäkelt

Meine Schwester heiratete an einem sonnigen  Märztag und so wie das Wetter, war auch die Feier – einfach toll. Aber meine Decke war nicht fertig. Ich habe sie dennoch dargeboten, naürlich nicht ohne die nötige Portion Demut und Schamesröte . . .

Die Versteigerung funktioniert nach dem Prinzip: Wer als letztes einen Schein in den Hut wirft, gewinnt die Auktion. Natürlich starteten wir bei 10 Cent. Schließlich warf Familie K. mit einem gewagten Hechtsprung den letzten 50€-Schein in den Hut und erhielt von mir das Versprechen die Decke binnen 14 Tagen fertig zu machen. Naja was soll ich sagen, es dauerte noch ein weiteres Jahr bis zur Fertigstellung.

Aber dann Anfang Juni 2017, fertig! Ich war stolz wie Bolle und Familie K. hat sich trotz der langen Wartezeit sehr gefreut. Das hat mich wiederum sehr glücklich gemacht.

Familie K. freute sich sehr über die fertige Decke, das war das beste Dankeschön für mich.

Projektdetails findest du wie immer auf ravelry. Danke fürs Vorbeischauen!