Jetzt spinnt sie auch noch!

Mich hat die Spindel eher unerwartet und zufällig gefunden. Denn eigentlich hatte ich nicht die Absicht, neben dem Stricken und Häkeln, auch noch mit dem Spinnen anzufangen.

Doch im vergangenen Herbst begann die Gemeinde, wo ich regelmäßig einen Stricktreff besuche, Leineschafe für die Rasenpflege des Pfarrgarten zu halten. Der Schäfer bot uns sogleich das Vlies an.

Wie genial, dachte ich, gestrickte Schäfchen aus „Wolle von der Scholle“ für den Verkauf zum Wohle des lokalen Waldorfkindergartens. Es sollte aber noch ein halbes Jahr dauern, bis wir alle Informationen zur Wollverarbeitung zusammen hatten. Schnell war klar -für die kleinen Mengen die wir brauchen, rechnet es sich nicht das Vlies an eine Fastermühle zu schicken. Hochgerechnet hätten wir für 5kg Rohwolle rund 500€ investieren müssen um es waschen, kadieren und verspinnen zu lassen.

Also besuchte ich auf dem diesjährigen Leipziger Wolle-Fest einen Spinnkurs – und bin sofort süchtig geworden.

Zunächst übte ich fleißig das ausziehen der Fasern mit einem Stöckchen. Als dann ein einigermaßen gleichmäßiges und dünns Garn entstand, war ich mutig genug mir eine Spindel zu bestellen. Ich habe mich für das Handspindel-Starter-Set von DAS WOLLSCHAF entschieden. Der Umstieg vom Stöckchen auf die Spindel bedurfte etwas Übung. Vor allem die älternen Videos von Chantimanou haben mir da sehr weitergeholfen.

verzwirntes Garn
Mit dem Stöckchen versponnen und aus dem Knäul mit sich selbstverzwirnt

Mittlerweile sind die Schafe an die Parthe umgezogen und die Herde ist auf über 12 Mutterschafe angewachsen. Von Hammel Paulchen haben wir etwas Vlies bekommen, das wir sobald es wärmer wird waschen, zupfen und kadieren wollen. Ich freue mich darauf diese Wolle zu verspinnen.

Berlin Knits 2017 versus Leipziger Wolle-Fest & Stoffmesse 2018

Schön waren beide Events, jedes auf seine Weise. Dennoch habe ich einen Favoriten. Warum und wieso könnt ihr auf den in den folgenden Zeilen nachlesen.

 

Berlin Knits – Yarn Festival 2017

Am 30. September bin ich mit zwei Strick-Freundinnen in die Hauptstadt gefahren. Es war ein wunderbarer sonniger Herbstag und das trug sicher zur guten Laune bei. Die Zugfahrt war entspannt und wir haben den Weg vom Berliner Hauptbahnhof zum Phorms Campus Berlin gleich gefunden.

Es war kurz nach 10 Uhr und es standen schon einige an, also sind wir erstmal Bargeld holen gegangen. Als wir zurückkamen mussten wir nicht mehr anstehen und bekamen sogar einen Besucher-Button und eine Tasche mit einer Zeitschrift. Es war eng und es füllte sich zusehens aber es war eine gute Stimmung. Im Hof waren Bänke aufgestellt. Dort gab es bereits die ersten spontanen und auch lange geplanten Stricktreffen. Auch oben im zweiten Verkaufsraum gab es Bänke und Tische, wo man gleich gekaufte Wolle ausprobieren, sich austauschen oder einfach in einem Magazin blättern konnte. Einfach toll.

Ich bekam Schnapp-Atmung als ich das erst LAINE MAGAZINE in den Händen hielt. Und dann sah ich auch noch ein Exploration Station Tuch in grün. So viele tolle Sachen gab es, die ich sonst nur im Internet sehe. Verstrickte Kunst war da und Tre Liz . Ich könnte ewig so weiter aufzählen. Es war eine positive Reizüberflutung.

Obwohl es voll und auch eng war, kam man über all gut ran oder man musste halt artig warten. Das ging aber. Und verpflegt wurde man mit frisch Gekochtem auch sehr gut.

Ein bisschen aufgestoßen sind mir die Preise für die Workshops – 89€ pro Nase für 3 Stunden.

Mein Budget habe ich voll ausgeschöpft und bin dann nach einem frühen Abendessen in dem Lokal Ständige Vertretung mit meinen Freundinnen glücklich  in den Zug nach Leipzig gestiegen.

Berlin Knits 2017 Ausbeute
Meine Ausbeute von Berlin Knits 2017: Laine Magazine No2, Donegal Tweed von Magazine Duett, Strickpackung von Verstrickte Kunst und eine Postkarte von Strickimicki die mir in diesem Moment aus dem Herzen sprach.

Fazit: ein toller Tag, mit tollen Menschen und tollen Ausstellern an einem tollen Ort. Fehlte etwas –  ja irgendwie schon. Ich habe zwar Lopi Garne gesehen (und fast gekauft) aber leider keine Garne aus Norwegen oder Shetland. An sich findet man auf den Wollfesten viel buntes, handgefärbtes aber leider wenig ganz einfach Wollgarne in vielen Unifarben.

 

11. Leipziger Wolle-Fest und Stoffmesse 2018

Oh ich habe mich so auf meinen freien Samstag auf dem Wolle-Fest in der Glashalle der Neuen Messe Leipzig gefreut. Warm eingepackt in meine Selbumittens (von Skeindeer) und mit einer  Wollmütze auf dem Kopf fuhr ich mit der S-Bahn die eine Station bis zur Messe. Dort begrüßte mich eine laaaaange Schlange bis zum Teich. Gut was soll es, dachte ich mir und stellte mich an. Es ging vorwärts und ich kam schnell mit andern ins Gespräch. Bloß gut, war ich warm angezogen.

Die Veranstalter hatten nur drei Kassen gebucht und scheinbar nicht damit gerechnet, dass alle von fern und nah gerade um 11 Uhr hinein wollten. Leider kam dann jemand auf die glorreiche Idee eine weitere Tür zu öffnen, aber keine weitere Kasse. Da verloren die so artig anstehenden Strickerinnen und Schneiderinnen doch ihren Anstand und stürmten in die Halle. Nach dem Chaos folgte das Anstehen – jetzt jedoch im Warmen. Nach 40 Minuten hatte ich es geschafft, dank einer Freundin, die weiter vorn in der Schlange stand.

Leipziger Wolle-Fest 2018
Leipziger Wolle-Fest & Stoffmesse 2018 Blick von der Galerie auf die Aussteller in der Glashalle

Dieses Jahr waren noch mehr Aussteller da als vor zwei Jahren. Unter anderem auch dibadu und Filzrausch. Ganz neu entdeckt habe ich für mich Inclusio, eine Inklusionsfirma aus Weimar. Dort habe ich dann auch als einziges Wolle gekauft. Ansonsten gab es neben den wunderschönen handgefärbten Strängen, viele Verlaufsgarne. Aber auch hier waren erschwingliche Wollgarne in Unifarben selten.

Für 15€ die Stunde habe ich zusammen mit einer Freundin einen Spinnkurs am Rad gebucht. Es ging einiges schief – auch mit der Technik – aber am Ende hatte ich ein kleines Knäul vorzeigbarer Wolle gesponnen. Und ich habe Blut geleckt. Hätte nie gedacht das mir Spinnen Spaß macht.

Erste Spinnerfolge
Oben rechts – das erste Mal mit einem Stöckchen gesponnen, unten links mit dem Rad entstand ein richtiger Faden und unten rechts Sonntags darauf mit dem Stöckchen gesponnen

Fazit:

  1. Nächstes Jahr die Eintrittskarte im Vorverkauf holen, wenn ich wieder Samstag vormittags gehen will.
  2. Es gibt in der Messe leider keine richtige Ecke um sich zu treffen und auszutauschen.
  3. Auch hier fehlen mir erschwingliche Wollgarne – muss ich wohl am Ende selber verkaufen?! Hmmmmm . . .

 

Und insgesamt, wo gefiel es mir am besten?

Berlin! Ganz klar. Das hätte ich aber vor ein paar Jahren noch anders gesehen. Früher war das Leipziger Wolle-Fest wirklich noch ein Fest. In einem Hinterhof und später im Park von Markkleeberg traf man sich mit Kaffee und Kuche und Kind und Kegel und Schafen und Alpakas und natürlich mit Stricknadeln und Garn. Es gab eine Modenschau und viel Platz für Austausch. Das Wetter machte dem leider öfter einen Strich durch die Rechnung und so wagten die Veranstalter den Umzug in die Glashalle der Neuen Messe. Der komerzielle Erfolgt gibt ihnen recht. Das Wolle-Fest ist extrem gewachsen. Aber die Workshops finden in einem dunklen Seitenzimmer statt, es gibt keine Modeschauen mehr und keinen gemütlichen Platz zum Pause machen und Stricken. Das kann Berlin Knits eindeutig besser. Man könnte sich ein Beispiel am Edinburgh Yarn Festival nehmen. Dort gibt es eine Podcaster Lounge mit gemütlichen Sofas. Es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele talentierte StrickerInnen, HäklerInn und SchneiderInnen die ihr Tuen in Blogs und Vlogs veröffentlichen. Wäre es nicht schön Leipzig auch zu einem Ort des Austausches und Treffens zu machen und nicht nur kaufen, kaufen, kaufen? Ich weiß, viele müssen von dem Verkauf bei solchen Messen leben. Aber wer gut Laune hat, wem die Garne vorgestellt werden mit Modellen, der kauft auch mehr.