Die Strickgemeinschaft ist rassistisch

Zitat: „The Knitting community is racist“ [Ysolda Teague, Istagram 13. Januar 2019]

Rassismus in unserer Strickgemeinschaft ist kein neues Thema, doch es erfährt zur Zeit große Aufmerksamkeit. Ich möchte in diesem Beitrag zusammenfassen was in der vergangen Woche passiert ist, eine kurze Übersicht zu den immer wieder zitierten Veröffentlichungen geben und meine Gedanken teilen zum Thema: Was und wie können wir/ kann ich es besser machen.

Wenn du die Bequemlichkeit des Nicht-Wissens und Weg-Sehens bevorzugst und du dich und dein Handeln in dieser Gemeinschaft nicht hintfragen möchtest, lies bitte nicht weiter und spar dir die Mühe zu kommentieren.

Was war geschehen

Ausgangspunkt war ein Blogbeitrag der die Gedanken einer weißen Frau über eine anstehende Reise nach Indien beschreibt. Der Beitrag erhielt viele positive Kommentare, die ihn als inspirierend  und „Best Post ever“ beschreiben, auch von einer indischen Leserin. Erst weiter unten bittet ein Leser die Autorin ihren Beitrag zu überdenken und unter den Gesichtspunkten Imperialismus und Kolonialismus zu betrachten. Mehrere Aussagen in dem Artikel wurden von nicht weißen Menschen (POC – People of Color) als verletztend, herabwürdigend und rassistisch empfunden.

Unabhängig von den geschriebenen Worten steht der Artikel symptomatisch für eine ignorante oder unachtsame Grundhaltung, die uns Weißen inne ist. Deren wir uns oft nicht bewusst sind, in unserem ach so liberalen Einstellungen. Es geht um Alltagsrassismus, der im Grundrauschen unser vollen Instagramm Feeds untergeht. Es sind Blogbeiträge die wir schreiben oder kommentieren ohne zweimal darüber nachzudenken. Es ist das Schweigen und Wegsehen.

Viel zitiert zu diesem Thema  sind z.B. die Beiträge von:

Sie stellen unangenehme Fragen. Sie legen den Finger in die Wunde. Sie machen offenen und versteckten Rassismus in der Strickgemeinschaft sichtbar.

Ihre Thesen sind unteranderem:

  • POC sind in Strickmagazinen als Models und Designer unterrepresentiert.
  • Anleitungen von POC -Designern werden weniger oft gekauft und nachgestrickt.
  • POC-Designer und -StrickerInnen haben auf Grund ihrer Hautfarbe weniger Follower auf Instagramm.

Alltagsrassismus in unserer Strickgemeinschaft

Neeeein so etwas gibt es bei uns nicht . . . oder doch? Su.krita hat in ihrer Instagram Story die Frage an POC gestellt, welche rassistischen Erfahrungen sie in unserer Gemeinschaft gemacht haben. Hier sind nur einige wenige Antworten:

  • ignoriert werden im Wolladen, während weiße bedient werden,
  • verfolgt werden im Wolladen, aus Angst sie stehlen etwas,
  • erst bedient werden, wenn der weiße Ehemann/die weiße Ehefrau/die weiße Freundin dabei ist,
  • verwechselt oder gar nicht erkannt werden, obwohl sie schon oft im Laden waren,
  • nur auf die billigen Garne hingewiesen werden oder gefragt werden ob man sich die Wolle überhaupt leisten kann,
  • Ansatt zu fragen: „Was möchtest du stricken? “ ist die erste Frage immer „Woher kommst du?“
  • usw.

Und nun?

Das mindeste was wir tun können

Und wie geht es dir gerade? Betroffen? Verärgert? Defensiv? Offen?

Ich habe alle Stadien durchgemacht, dann durchgeatmet, dann nachgedacht und reflektiert.

Wem folge ich? Für wen schreibe ich? Bin ich mir des Problems bewusst? Warum war es mir vorher nicht bewusst? Was kann ich besser machen? Was verdammt nochmal kann ich dazubeitragen dass es besser wird?

Das wenigste was ich tun kann / wir tun können:

Was wir darüber hinaus tun können

Vom 19.-20. Oktober findet in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig das 11. deutsche Ravelry treffen statt.

No Racism in our knitting community

Weil diese Gemeinschaft soviel besser ist.

Weil es nicht egal ist.

Weil es dich auch treffen kann, denn es hört bei der Hautfarbe nicht auf.

Das Treffen ist der Ort wo wir als Strickgemeinschaft ein öffenliches Zeichen setzten können.

Was wirst du tun?

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